The Kingdom in the Sky

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Dumela liebe Leute und Leser.

Nach langem Schweigen habe ich mal wieder etwas zu berichten, denn ich war eine Woche im Urlaub in Lesotho, einer der zwei Enklaven in Südafrika.
Zusammen mit Phillip, Vincent und Pia und einem (ungewollt) etwas protzigen – aber tollen und treuen! – Auto machten wir uns auf die Reise.

Lesotho ist von der Fläche her in etwa so groß (oder klein) wie Nordrhein-Westfalen und zählt 2 Millionen Einwohner. Landschaftlich ist es geprägt von Bergen und… Bergen. Dass ein Land ausschließlich aus geographischen Höhen und Tiefen besteht, hatte ich bislang noch nicht gesehen. Landschaftlich also atemberaubend, gesellschaftlich kritisch anzusehen. Die Hauptstadt namens Maseru und die zweitgrößte Stadt Butha-Buthe ähneln vom Bild doch eher den hiesigen Townships. Provisorisch aufgebaute und aneinandergereihte Wellblechhütten und nur teilweise geteerte Straßen. Viele, viele Menschen prägen auch unter der Woche das Stadtbild, was leider mit der weltweit geschätzt höchsten Arbeitslosenquote zusammenhängt (45%).

Beeindruckend waren ebenso die kleinen Dörfer, denen wir während unserer Fahrt durch das Land begegneten. Auf eine sehr ursprüngliche Lebensweise wird hier das Vieh zum pflügen und Lasten tragen genutzt; man trifft Einwohner auf Eseln oder Pferden reitend an; begegnet Schäfern wie aus dem Bilderbuch mit Stab und Hund; sieht Frauen am Fluss die Wäsche waschen. Die meisten von ihnen tragen „kobo“ (traditionelle Wolldecken) gegen die Kälte.
Ich fragte mich, wie viel diese Menschen wohl von ihrem weiteren Umfeld mitbekommen. Ohne Fernseher, im innersten Innenland ohne Handy, natürlich auch ohne Internet. Wissen sie, dass es eine inzwischen weitaus fortschrittlichere Lebensweise gibt? Wenn ja, wollten sie dann so leben? Bzw. könnten sie es überhaupt? Sicherlich nicht ohne einen Standortwechsel.
Da ich mich im anhaltenden Zustand des Vergleichens befinde, wurde ich mal wieder überrascht, was für ein großer Unterschied zwischen Südafrika und Lesotho herrscht. Und Lesotho und Deutschland erst. Da fällt es mir schwer, sich vorzustellen, einen Basotho (Bewohner Lesothos) in Deutschland „auszusetzen“, der im Innenland weitestgehend abgeschottet aufwuchs. Ihm würde es wohl wie auf einer Zukunftsreise gehen.
Es war wirklich beeindruckend mit eigenen Augen zu sehen, wie Menschen aus der heutigen Zeit für unsereins ein 100 Jahre zurückversetztes Leben führen.

Abgesehen von den gesellschaftlichen Umständen, bietet Lesotho jedoch eben auch unglaubliche Einblicke in die Natur. Berglandschaft so weit das Auge reicht. Der höchste Berg des südlichen Afrikas, Thabana Ntlenyana, mit 3482 m, wurde auch direkt in einer Tagestour von uns bezwungen (und verlangte von mir, meine persönliche physische und emotionale Grenze zu überschreiten). Denn der Rückweg zog sich schier ins Unendliche. Aber wir haben es geschafft.
Kleinere „Sehenswürdigkeiten“ wie den Thaba Bosiu, den Katse Dam, oder das AfriSki-Gebiet ließen wir uns auch nicht entgehen.
Da wir keine Unterkünfte vorgebucht hatten, konnten wir jeden Tag frei entscheiden, wie weit und wohin wir fahren wollten. Eine Bleibe für die Nacht zu finden, war kein Problem, die Höhenmeter und die Kälte allerdings machten uns zu schaffen. Da Heizungen nicht üblich sind, bestand meine Nachtbekleidung aus 3 Schichten und 2 Paar Socken. Wenn ich mir dann wiederum vorstelle, dass die Einwohner dauerhaft in diesen Umständen leben…

Es war also für uns eine ereignisreiche, auch entspannte Reise, jedoch ebenso eine Reise, die einen aufmerken ließ und (mal wieder) ein erweitertes Bewusstsein schaffte.

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