Inside out

Was macht sie? Wo ist sie? Wieso meldet sie sich nicht?

In letzter Zeit bin ich vermehrt mit mir beschäftigt. Mache mir Gedanken um die Normalität des Lebens; die Aufregung, die erloschen ist; das Studium, welches in den Startlöchern steht; das Verlangen, was zu bewegen; den Wunsch, sich wieder zu fordern; das Bewusstsein aufrecht zu erhalten, sich in einer besonderen Zeit zu befinden; sich zu erlauben, schlechte Tage zu haben; das Gefühl, vielleicht nicht mehr verstanden zu werden zu verstehen;
ein Thema zu finden, über das ich schreiben mag; welches mir persönlich wichtig genug erscheint; welches nicht zu oberflächlich ist.

Ich wäge viel oder zu viel ab. Welches Verhalten wirkt wie, welche Aussage wird wie verstanden? Von jedem verschieden, da jeder Einzelne anders geprägt, geschult, aufgewachsen, vorbelastet ist. Die Frage ist auch, ob man so verstanden wird, wie man denkt, dass der Gegenüber es verstehen wird, oder doch ganz anders. Sollte man nicht lieber unvoreingenommener sein? Auch mal riskieren, was sich zumindest für einen selbst so anfühlt, doch dem Gegenüber gar nicht als riskant erscheint?
Schwarz – Weiß. Dass da ein Unterschied ist, ist offensichtlich und spürt man. Klingt das jetzt rassistisch? Der reiche Weiße, der arme Schwarze. Aber nicht immer. Doch für manche ist „weiß“ nun mal äquivalent zu „reich“. Manchmal entspricht es eben genau dem Klischee. Wie fühle ich mich dann? Unwohl, aber ändern kann ich es nicht. Dann frage ich mich, wie kommt Großzügigkeit an? Wird sie angenommen? Auch unterschiedlich. Mache ich die Arbeit hier, um zu helfen, zu unterstützen, mich selbst besser zu fühlen, um einen Unterschied zu machen, um davon zu profitieren, um ein guter Mensch zu sein? Zumindest versuche ich es. Auch das klingt in manchen Ohren vielleicht so daher geredet. Ist das nicht bloß für das eigene Image und irgendwie egoistisch? Vielleicht auch ein bisschen. Aber definitiv nicht ausschließlich. Aber für manche wird es so wirken.

Da ist die dauerhafte Angst, falsch verstanden zu werden, da jede Aussage immer zwei Seiten, zwei verschiedene Möglichkeiten, sie aufzufassen, hat.

Warum habt ihr also nichts von mir gehört? Außen passiert nicht wirklich was, dafür innen umso mehr. Und das braucht so seine Zeit.


Ein Gedanke zu “Inside out

  1. „Wer bereit ist, sich zu verändern, wer den Mut hat, sich zu verändern, wird immer von jenen als Verräter bezeichnet werden, die zu keiner Veränderung fähig sind und eine Heidenangst vor Veränderungen haben, die Veränderungen nicht verstehen und sie ablehnen.“ Aus: Amos Oz: Judas.
    Ein schöner Traum, eine Vision ist kein Verrat.
    Der oben zitierte Satz gilt ja nicht nur an jene um uns, die uns vielleicht nicht verstehen oder nur vermeintlich nicht verstehen, sondern auch für die innerseelischen Instanzen in uns. Da wird immer eine Instanz sein, die hart mit uns in Gericht geht, die uns auf die Kehrseite aufmerksam macht. Diese Zweifel machen uns Menschen aus (ohne Zweifel auch kein (Selbst-) Vertrauen). Die (Lebens-) Kunst besteht darin, nicht zu verzweifeln, sich also nicht in diesem seelischen Gestrüpp zu verlaufen und in dem Abwägungsprozess zu verharren. Die (Lebens-) Kunst besteht darin, trotz der Zweifel und mit den Ambivalenzen Entscheidungen zu treffen. Auch die notwendig auftretenden Fehler, sind Teil der menschlichen Natur und bezeichnet die Theologie als „Schuld“. Ohne die Entscheidungen allerdings, gibt es auch keinen Fortschritt und keine innerseelischen Entwicklungen. Diese Entwicklungen sind jedes Risiko wert.

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